Kulturnacht 2017
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Über „Terror“ und die Würde des Menschen

„Dürfen wir Unschuldige töten, um andere Unschuldige zu retten? (…) Lassen sich Leben zumindest dann gegeneinander rechnen, wenn für den Tod eines Menschen 400 andere gerettet werden können?“ (Staatsanwältin, Terror)

Diese Frage, nämlich die Frage nach der „Antastbarkeit“ der Würde des Menschen, stellten sich die beiden Deutsch-Leistungskurse während ihrer Projektarbeit an Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Terror“.

Schülerinnen der Deutsch-Leistungskurse
Schülerinnen der Deutsch-Leistungskurse

Ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug droht in die vollbesetzte Allianz-Arena zu stürzen. Lars Koch, Kampfpilot der Luftwaffe, schießt entgegen des Befehls seiner Vorgesetzten das Flugzeug ab und entscheidet sich damit bewusst, 164 Menschen zu töten, um 70 000 Menschen zu retten. Die Handlung des Theaterstücks setzt ein mit dem Hauptverfahren vor Gericht, in dem über den Fall Lars Koch verhandelt wird. Der Zuschauer folgt der Beweisaufnahme und entscheidet am Ende, ob Lars Koch freigesprochen oder verurteilt wird.

Während der Projektarbeit setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Figuren des Theaterstücks auseinander und erörterten an ihrem Beispiel folgende Fragen: Darf man – gemäß des Utilitarismus – Menschen töten, um eine größere Anzahl von Menschen zu retten? Darf man das eigene Gewissen in bestimmten Situationen über das geltende Gesetz stellen? Darf man die Würde des Menschen in Terrorfällen verletzen? In seinem Theaterstück und in seinen Essays gibt uns der Autor Ferdinand von Schirach (durch das Sprachrohr der Staatsanwältin) eine eindeutige Antwort auf diese Fragen: „Lars Koch (…) ist kein Held. Er hat getötet. Er hat die Menschen in seinen Händen zu bloßen Objekten gemacht. Er hat ihnen jede Entscheidungsmöglichkeit abgesprochen … Er hat diesen Menschen ihre Würde genommen. (…) Wenn Sie Lars Koch freisprechen, erklären Sie die Würde des Menschen, erklären Sie unsere Verfassung für wertlos.“

Ergänzt wurde die Projektarbeit mit der Perspektive der Bundeswehr auf den Fall Lars Koch. Die Schülerinnen und Schüler wurden von der Jugendoffizierin Frau Braun besucht, welche zunächst über die Aufgaben der Bundeswehr informierte. Anschließend nahm Frau Braun Stellung zum Luftsicherheitsgesetz sowie zum Fall Lars Koch. Erneut wurde deutlich, dass Lars Koch kein Held ist, da auch für einen Soldaten im Einsatz die Würde des Menschen oberstes Prinzip und das Gesetz die Richtschnur seines Handelns sind. Zum Abschluss der Projektarbeit besuchten die Schülerinnen und Schüler die Inszenierung von „Terror“ im Badischen Staatstheater Karlsruhe und verglichen diese anschließend mit der deutschen Verfilmung des Stücks. Ihre Impulse, welche die Schülerinnen und Schüler in der Projektarbeit gewonnen haben, setzen sie nun im Fach „Darstellendes Spiel“ um: Am Ende des Schuljahres wird es auch an der IGS Rülzheim eine Aufführung zum Stück „Terror“ geben.

Jugendoffizierin Frau Braun
Jugendoffizierin Frau Braun


Kooperation mit Wolf Ware